Berlin, 01. Oktober 2026. 100 Millionen Kinobesucher*innen bis Jahresende – dieses Ziel rückt für die deutschen Kinos in greifbare Nähe. Die Branche erlebt aktuell eine spürbare Aufbruchstimmung und verzeichnet im ersten Halbjahr ein Plus von knapp 17 Prozent zum Vorjahreszeitraum. Eine große Vielfalt an Filmen lockt das Publikum (zurück) vor die große Leinwand und sorgt für zahlreiche Kinoerfolge*. Zum Vergleich: Die 100-Millionen-Marke entspräche dem Fünffachen der Tickets, die zusammen in der 1. und 2. Bundesliga in der Saison 2025/26 verkauft wurden.

In Deutschland gibt es insgesamt 1.666 Kinos. Davon liegt mehr als die Hälfte im ländlichen Raum, also in Orten mit bis zu 50.000 Einwohner*innen. Gerade an diesen Standorten ermöglichen Kinos der Bevölkerung einen flächendeckenden und niedrigschwelligen Zugang zu Kultur – auch weil sie häufig vor Ort der einzige, regelmäßige Kulturveranstalter sind. Im ersten Halbjahr 2026 konnten die Landkinos ihrer Besucherzahlen gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 18 Prozent steigern.

Eine wichtige wirtschaftliche Säule des Kinomarkts bilden Spielstätten mit sechs und mehr Leinwänden. Auf sie entfielen mit 64 Prozent der größte Umsatzanteil der Branche.

Die Kinolandschaft in Deutschland und deren Investitionsbedarf

Die vielfältige Kinolandschaft in Deutschland, die der HDF KINO vertritt, ist geprägt von mittelständischen Unternehmen. Überwiegend sind es (Kino-) Familien, die diese Betriebe führen, einige schon seit Generationen. Sie sind Arbeitgeber und Ausbildungsstätten für gelernte und ungelernte Fachkräfte. Knapp 22.000 Menschen waren 2025 in der Kinobranche beschäftigt – im Service, Marketing oder der Theaterleitung.

Die starken Besucherzahlen von 2026 sind ein deutliches Zeichen dafür, wie gut das Filmangebot und auch die umfangreichen Investitionen der Kinos z. B. in Technik und Komfort beim Publikum ankommen. Gleichzeitig steht die Branche vor einem erheblichen Investitionsbedarf. Eine Studie der Filmförderungsanstalt (FFA) beziffert diesen auf 110 Mio. Euro jährlich. Zwei Drittel der befragten Kinobetreiber*innen sind dabei auf öffentliche Unterstützung angewiesen. Denn die Einnahmen, die nach Abgaben beim Kino verbleibenden, reichen vielerorts nicht aus, um die laufenden Kosten zu decken (siehe auch: filetiertes Kinoticket).

Die Bundesregierung hat im Koalitionsvertrag von 2025 klar formuliert: „Kinos werden wir durch verlässliche Förderprogramme für Investitionen und kulturelle Vielfalt in Stadt und Land stärken“. Dieses Versprechen ist bislang nicht eingelöst. Für die Kinobranche ist jetzt entscheidend, dass aus der Ankündigung eine verlässliche Förderung wird.

Christine Berg, Vorstandsvorsitzende von HDF KINO: „2026 zeigt: Kino hat Zukunft und überzeugt mit einem vielfältigen Angebot und echten Gemeinschaftserlebnissen. Doch diese Aufbruchstimmung ist zerbrechlich. Denn nur durch zuverlässige und planbare Investitionen können Kinos ihre Rolle als kulturelle Orte sichern und gleichzeitig im Wettbewerb mit internationalen Streamingkonzernen bestehen. Deshalb muss die Bundesregierung das Zukunftsprogramm Kino jetzt verlässlich fortführen – so wie im Koalitionsvertrag versprochen.“

Mit einer gesteigerten Kinowertigkeit in Ausstattung und Technik lassen sich auch bisherige Nicht-Besucher*innen anlocken. Hier zeigt eine aktuelle Studie der Filmförderungsanstalt (FFA) ein großes Potential auf: 54 Prozent dieser Gruppe sind generell bereit, ins Kino zu gehen. In ihrem Fokus steht der technische Mehrwert der Kinos.

Eckdaten:

  • Der Kinobestand ist mit 1.666 Kinos an 950 Standorten im ersten Kinohalbjahr 2026 gegenüber dem Vergleichszeitraum stabil geblieben.
  • Ziel 2026: 100 Mio. Kinobesuche. Erstes Kinohalbjahr 2026: 47,5 Mio. (Steigerung von knapp 17% zum Vorjahreszeitraum) – Zum Vergleich: In der Saison 2025/26 verkaufte die 1. und 2. Bundesliga über 21,4 Mio.
  • Filetiertes Kinoticket: 45% der Ticketeinnahmen geht durchschnittlich an den Verleih, 10% an den Staat für Steuern und Filmabgabe. Mit dem Rest lassen sich laufende Kosten für Miete, Personal und Marketing nicht vollständig bezahlen. Daher spielen Nebenumsätze durch Getränke- und Snackverkauf (Concession-Bereich) im Kino eine große Rolle.
  • Altersstruktur: 33% der Gesamt-Kinobesucher*innen gehören zu den Alterskohorten von 10-29 Jahren. Die höchste Kinoreichweite mit 64% gibt es im Alter von 10-19 Jahren.
  • Starker deutscher Film: Im ersten Kinohalbjahr 2026 stiegen hier die Besucherzahlen um 61 Prozent auf 12,2 Mio. Das Kino ist die Lokomotive der deutschen Filmwirtschaft, steht am Beginn der Auswertungskette und bietet gute Refinanzierungsmöglichkeiten für die nationalen, unabhängige Produzent*innen. Ein rückläufiger Kinomarkt schwächt hingegen deren langfristige finanzielle Stabilität.

* Einige der Kinoerfolge im Überblick:

  • Erfolgreiche, deutsche Produktionen zu Jahresbeginn wie „Extrawurst“ (Regie: Marcus H. Rosenmüller), „Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke“ (Regie: Simon Verhoeven) und „Horst Schlämmer sucht das Glück“ (Regie: Sven Unterwaldt), im Kinderfilmbereich z. B. „Checker Tobi 3 – Die heimliche Herrscherin der Erde“ (Regie: Antonia Simm), „Die drei ??? – Toteninsel“ (Regie: Tim Dünschede) und „Woodwalkers 2“ (Regie: Sven Unterwaldt).
  • Aktuell sechs deutsche Besucher-Millionäre, ganz vorn „Extrawurst“ mit über 2 Mio., gefolgt von „Steckerlfischfiasko“ mit über 1,5 Mio. Besucher*innen.
  • Ende April knackte der Animationsblockbuster „Der Super Mario Galaxy Film“ (Regie: Aaron Horvath, Michael Jelenic) die Drei-Millionen-Besucher*innen-Marke und ist dafür vom HDF KINO mit einer Goldenen Leinwand ausgezeichnet worden. Im August knackten „Spider-Man – Brand New Day“ und „Die Odyssee“ diese Marke.
  • Verschiedene Horrorfilme lockten insbesondere ein junges Publikum ins Kino, z. B. „Obsession“ und „Backrooms“.
  • Brancheninitiative DAS KINOFEST am 12. Und 13. September- brach Rekorde: Es war mit 2,08 Mio. Besucher*innen das besucherstärkste seit 20 Jahren. Mit dem KINOFEST knackten „Spider-Man“ die 5 Millionen- und „Die Odyssee“ die 4 Millionen-Besuchermarke.
  • Vielversprechender Ausblick z. B. mit: „Der perfekte Urlaub“ mit Star-Ensemble (Regie: Bora Dagtekin, Start: 22. Oktober), „Avengers: Doomsday“ aus dem Marvel-Universum (Regie: Anthony und Joe Russo, Start: 16. Dezember) und das Finale der Sci-Fi-Trilogie „Dune 3“ (Regie: Denis Villeneuve, Start: 17. Dezember).

Quellen:

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