Berlin/Merseburg, 21. Oktober 2026. Ist das Kino ein Ort für alle? Die bundesweite Dialogreihe „Kino & Demokratie“ führt am 5. November in das Domstadtkino Merseburg.

Zu Gast sind:

  • der Oberbürgermeister der Stadt Sebastian Müller-Bahr,
  • der Domstadtkino-Betreiber Ulrich Jacobi,
  • Halina Czikowsky vom Verein Kino Völkerfreundschaft
  • und die Professorin für Kulturmanagement an der Hochschule Merseburg Christiane Dätsch.

Auch unter dem Eindruck der jüngsten Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt diskutieren die Panelist*innen über die Rolle des Kinos in der Demokratie. Dabei werden die Gäste ihre jeweilige Perspektive aus Politik, Wissenschaft und Kino einbringen. Das Gespräch moderiert Carolin Lindenmaier, stellvertretende Vorständin von HDF KINO. Der größte Kinoverband in Deutschland hat diese Reihe konzipiert, um eine Debatte über die aktuelle, gesellschaftliche Bedeutung des Kinos anzustoßen.

Demokratie braucht Räume, die wir miteinander teilen. Orte, die allen offenstehen und die von möglichst vielen Menschen ganz selbstverständlich genutzt werden. In vielen kleineren Städten und Gemeinden gehören Kinos zu den wenigen verbliebenen kulturellen Begegnungsräumen, die ein breites Publikum erreichen. Sie bringen Menschen aus unterschiedlichen Generationen und Lebenswelten zusammen und sind damit Umschlagplätze für den gesellschaftlichen Dialog. Was kann eine Stadtgesellschaft zusammenhalten, wenn politische und soziale Unterschiede immer stärker spalten. Dabei geht es auch um eine grundlegende Frage: Wer kommt eigentlich ins Kino – und wer nicht (mehr)?

In der Hochschulstadt Merseburg mit knapp 34.500 Einwohner*innen ist die Stellung des Domstadtkinos einzigartig, denn es gibt kein weiteres Kino. Das ist exemplarisch in Deutschland. Ein Blick darauf lohnt sich, da mehr als die Hälfte aller deutschen Kinos im ländlichen Raum liegt, also in Orten mit bis zu 50.000 Einwohner*innen. Eine Studie der Filmförderanstalt (FFA) über das erste Kinohalbjahr 2026 zeigt, dass diese Kinos ihre Besucherzahlen gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 18 Prozent steigern konnten.

Im Anschluss an das Panel wird der aktuelle Dokumentarfilm „Biermann“ von Jens Meuer gezeigt. Dieser startet zum 90. Geburtstag des Liedermachers und zum 50. Jahrestag seines berühmten Konzertes in Köln am 29. Oktober in den Kinos.

Veranstaltungsüberblick:

Ort: Domstadtkino Merseburg, König-Heinrich-Straße 7, 06217 Merseburg

Zeit: Donnerstag, 5. November – 18 Uhr: Beginn der Paneldiskussion KINO & DEMORKATIE – EIN ORT FÜR ALLE?
19 Uhr: Special Screening von BIERMANN

Kontakt für Presse- und Interviewanfragen

HDF KINO e.V.
Barbara Löblein
Mobil: 0155 101 77 135
Tel: 030 23 00 40 41
E-Mail: presse@hdf-kino.de

Informationen zu den Gesprächsgästen

Halina Czikowsky gehört zu den Gründungsmitgliedern des Fördervereins Kino Völkerfreundschaft Merseburg e. V. und setzte sich als Stadträtin erfolgreich dafür ein, dass es in Merseburg wieder ein Kino gibt. 15 Jahre nach der Schließung des ehemaligen Kino Völkerfreundschaft konnte 2005 durch das Vereinsengagement die Wiedereröffnung als Domstadtkino Merseburg gefeiert werden. Seit 2006, 60 Jahre nach Gründung der DEFA, starteten die jährlichen Merseburger DEFA-Filmtage. Mit rund 200 Film-Gästen und 350 Filmen erreichten die DEFA-Filmtage bisher etwa 20.000 Zuschauer*innen und zusätzlich in Schulveranstaltungen etwa 15.000 Schulkinder.

Nach praktischer Tätigkeit im Journalismus und in der Kultur-PR war Prof. Dr. Christiane Dätsch akademische (Ober-) Rätin am Institut für Kulturmanagement der PH Ludwigsburg. Ihr Forschungsschwerpunkt lag auf Kommunikationsmanagement für Kulturbetrieben sowie der Kulturvermittlung. Seit 2024 ist sie Professorin für Kulturmanagement an der Hochschule Merseburg und widmet sich u. a. dem kulturellen Erbe der Region und seinen Managementprozessen. Denn ohne Planung und Vermittlung, ohne Medien und Marketing, Finanzierung und Controlling finden Kunst und Kultur nicht in die Öffentlichkeit.

Seit Ende 2014 betreibt Ulrich Jacobi das Domstadtkino Merseburg, das regelmäßig mit einem Kinoprogrammpreis Mitteldeutschland ausgezeichnet wird. Jacobi versteht das von ihm kuratierte Kinoprogramm auch als gesellschaftlich kulturellen Auftrag. Zu seinem vielfältigen Filmangebot kommen Filmgespräche, Vorträge, Lesungen und Liveübertragungen aus der New Yorker Metropolitan Opera hinzu. Höhepunkt des Jahresprogramms sind die Merseburger DEFA-Filmtage, die im April 2027 zum 22. Mal stattfinden werden. Jacobi engagiert sich außerdem als HDF-Kinobotschafter für sein Bundesland Sachsen-Anhalt.

Carolin Lindenmaier ist Kultur- und Politikwissenschaftlerin und seit 2020 stellvertretende Vorständin des größten deutschen Kinoverbands, HDF KINO. Hier koordiniert sie in erster Linie die kinospezifischen Interessen gegenüber Entscheidungsträgern in Bund und Ländern. Zu diesem Zweck hat sie u.a. das Netzwerk der „Kinobotschafter“ ins Leben gerufen – ein Sprachrohr engagierter Kinomacher*innen in der Fläche. Die von ihr konzipierte, bundesweite Dialogreihe “Kino & Demokratie” soll die gesellschaftliche Bedeutung von Kinos als Orte öffentlicher Begegnung und gesellschaftlicher Teilhabe sichtbar machen.

Sebastian Müller-Bahr ist seit 2022 Oberbürgermeister der Stadt Merseburg. Er will die ganze Stadt im Blick haben und sie gemeinsam zwischen Stadtverwaltung, Stadtrat, Wirtschaft und den Bürgerinnen und Bürgern gestalten. Zuvor arbeitete er u. a. im Vertrieb in der Automobilwirtschaft, studierte berufsbegleitend Wirtschaftswissenschaften an der Hochschule Merseburg und kam 2021 als Referent des Oberbürgermeisters und Mitarbeiter der Wirtschaftsförderung in die Stadtverwaltung Merseburg.